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Die Maske - Bedeutung und Funktion

Eine Abhandlung
(Auszug aus einem Essay)
von Karl-Hans Strobl

In Anbetracht der Enstehungszeit (1919/1921) möge man bitte evtl. naive Sichtweisen und die z.T. heute rassistisch oder "anrüchig" klingende Wortwahl verzeihen. Es geht mir hier um den Inhalt, die Aussage des Abschnitts.



" Zu den menschlichen Urtrieben gehört das Spiel mit der Maske. Kinder und Wilde bedienen sich ihrer mit naiver Freude, und nicht minder ergötzen sich an bunter Vermummung, und geistvoller Ungebundenheit des Maskenfestes reife, überreife Kulturen. Die Maske ist ebenso heimisch am Hof des Negerhäuptlings wie des Sonnenkönigs. Der Buschmann zieht den Balg eines Straußes über und beschleicht in seiner Maske die Herde, um zu töten. Der Zauberer irgendwelcher Südseeinsulaner tragen die holzgeschnitzte, lächerlich grauenhafte Maske ihres Gottes und glauben, dieser Gott zu sein. Verbrecher und Attentäter verbergen sich hinter Masken, um unkenntlich zu bleiben; auf einem Maskenball fiel der König Gustav III. unter den Schüssen Anckarströms. Zu den abenteuerlichsten Gestalten der historischen Romantik gehört der geheimnisvolle Gefangene der Bastille, der Mann mit der eisernen Maske, und in der älteren Romaliteratur spukt immer wieder die Dame mit dem Totenkopf, die ihr schauerliches Angesicht hinter einer Maske barg.
In allen Bereichen menschlicher Kultur taucht immer wieder die Maske auf, bald da, bald dort, drohend, schreckend, lächelnd. Die Maske ist Versteck, Wertsteigerung, Bedeutungswandlung, sie soll täuschen, locken, Furcht einjagen, sie dient der Vorsicht, der List, der Eitelkeit, der Scham, es gibt tausend Beweggründe zur Maske. In Scherz und Ernst, in Spiel und Verzweiflung.
Zwei Hauptgruppen von Motiven sind zu unterscheiden, die eine kommt aus Negativem: sich zu verbergen, sich selbst zu verleugnen, zu verneinen; die andere aus Positivem: etwas anders zu scheinen, als man ist. Oft verschmelzen Motive aus beiden Gruppen im ohnehin fast aus dem Unterbewußtsein entspringenden Trieb zur Maske unkenntlich miteinander.

Die Maske wandelt das äußere Wesen, befriedigt die Eitelkeit, indem sie etwas Größeres, Gewaltigeres, Ehrfurchtsgebietendes vortäuscht. Der Maskierte setzt seine Umgebung in Schrecken und hat dabei noch die besondere Lust der Überlegenheit über die Gläubigen seiner Maske. Er hat die anderen dumm gemacht und erhöht sich dabei vor sich selbst, denn er ist der einzige Wissende. Er hat den anderen ein Rätsel aufgegeben und hält allein den Schlüssel in der Hand.
Die Maske ist aber auch Erlösung und Befreiung. Der Mensch in seiner realen Erscheinung, hundertfach verstrickt in Herkommen, Beziehungen, Vorurteilen, Gewohnheiten, in Familie, Staat und Gesellschaft, macht sich durch die Maske plötzlich von all den unzählbaren Hemmungen seiner Persönlichkeit frei, er wirft alles ab, was ihn sonst bindet und beengt, wird auf einmal beziehungslos, ganz er selbst, scheidet sich von seiner belastenden Vergangenheit , ist ganz voraussetzungslose Gegenwart.
So geschieht das Widerspruchsvolle, dass die Lüge der Maske zur Wahrheit der Persönlichkeit führen kann. Gravitätisch wandelnde Bürger werden durch diese seltsame Macht zu einer längst vergessenen und in ihnen verschüttet gewesenen Lustigkeit entzaubert, würdige Stützen des Staates entsinnen sich plötzlich jugendlichen Übermuts und eines unverbrauchten Witzes.

Der tiefe Sinn aller Masken geht auf den allem Lebenden eingeborenen Gegensatz von Sein und Scheinen zurück, mit dem jede Erkenntnis beginnt, auf den Gegensatz zwischen Substanz und Attribut, von Ding an sich und Phänomen. Die rätselhafte Anziehung dieses Spieles liegt darin, daß es einen Schöpfungsakt wiederholt, eben diese Zweiteilung in innere Wahrheit und äußere Erscheinung. Wer die Maske vornimmt, tut wie Gott, wenn er sich verhüllt, um in die Welt zu treten, es ist eine neue Weltgeburt, und die hohe Lockung und wunderbare Genugtuung des Maskierten ist, daß er nicht wie innerhalb des Lebens sonst hilf- und ratlos in den Wirbel der Erscheinungen des Unerkennbaren hineingezogen ist, sondern daß er das Gottgefühl haben darf, wenigstens an und in sich selbst um Sein und Scheinen genau zu wissen und es deutlich scheiden zu können.

Was hier von körperlichen Masken gesagt ist, gilt genauso von geistigen. Dieselben Beweggründe, dieselben Nötigungen, dieselben Erlösungen und Befreiungen. Es gehört vielleicht zur feinsten Tragik des wahrhaftigen Menschen, der die Maske aus sittlichen Gründen verabscheut, daß er dennoch manchmal zu ihr gezwungen ist. Das ist jene von Nietzsche angedeutete Tragik: die den Mann, der sein Ich restlos entschleiern und dahingeben möchte, der alle Welt in sein Innerstes schauen lassen will, dennoch dazu zwingt, um seines Zieles willen jene Gestalt beizubehalten, in der er nun einmal seine Wirkung übt:
die Tragik aller großen Männer, Führer und Lehrer, sich so halten und so leben zu müssen, ja oft so reden zu müssen, wie das "Phantom" von ihnen verlangt, das in den Köpfen der Menge feststeht.
Sie werden verschweigen oder hinzutun oder verleugnen müssen, je nach der Aufgabe, die sie sich gestellt haben und die durch rücksichtlose Enthüllungen ihres Ichs nicht gefährdet werden darf. Um der Wirkung willen, um ihre eigene Schöpfung nicht zu stürzen, müssen sie Masken tragen. Sie werden gläubiger, mutiger, edler, hingebungsvoller scheinen müssen, als sie sind, weil ihre Zweifel, ihre Feigheit, Verzagtheit, Selbstsucht und unedlen Anwandelungen um ihres Werkes willen nicht eingestehen dürfen.
Die Masken, die [es folgt ein Name eines berühmten, umstrittenen dt. Schriftstellers, der hier aber keine Rolle spielen soll, klein-vader] trägt, sind Masken der Eitelkeit, vor allem aber der Scham."



Beispiele für Maskenträger, die der eigenen Interpretation überlassen sein sollen:
* Darth Vader
* Das Phantom der Oper
* Der Mann in der eisernen Maske (s.o.)
* Der römische Gott Janus
* Rapper Sido



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